Die heraldischen Farben
 

Aus der Forderung nach einem weithin sichtbaren und leicht zu unterscheidenden Erkennungszeichen, dem ursprünglichen Zweck des Wappens, ist zu schließen, dass den Farben in der Heraldik die größte Bedeutung zukommt.

Viele Wappen erfüllen diese Forderung durch den auffallenden Farbkontrast einer geometrisch aufgeteilten Schildfläche in weit höherem Maße als solche mit konkreten Bildern. Daher gibt es auch zahlreiche Wappen ohne Bilder, aber keine Wappen ohne Farbe.

Der unerlässliche Farbkontrast kann nur durch kräftige, ungebrochene und leuchtende Farben erzielt werden. Die Heraldik beschränkt sich aus diesem Grund auf vier farbstarke Grundtöne, die echten Farben Rot, Blau, Grün und Schwarz im Wechsel mit den beiden Metallen Gold und Silber, als Ersatz Gelb und Weiß.


Die Bezeichnung Gold und Silber ist in der Wappenbeschreibung unerlässlich. Selbst wenn die Praxis die Farben Gelb oder Weiß erfordert, wie dies bei Fahnen und Flaggen der Fall ist. Purpur wird als Sonderfarbe bei Kronen, Fürstenhüten, Wappenmänteln und für das Futter der Helme verwendet.   


Die Fleischfarbe ist als einzige natürliche Farbe bei menschlichen Gesichtern und nackten Körperteilen erlaubt. Sie unterliegt nicht den heraldischen Farbregeln und kann sowohl auf Metall als auch auf Farbe stehen. Blaugrau, wie Eisen oder Stahl, ist die Farbe der Helme. Braun und Grau oder andere Farben wie die stumpfen Mischtöne der heraldischen Verfallszeit sind zu vermeiden.





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Eine der ältesten Grundregeln verlangt, dass Wappen ohne besondere Gründe nicht weniger und auch nicht mehr als zwei Grundfarben aufweisen und zwar je eine echte Farbe und ein Metall. Jedes Wappen muss demnach Gold oder Silber enthalten. Die Grundregel verlangt ferner, dass die Farbe und Metall im Wechsel verwendet werden, Farbe stets auf oder neben Metall bzw. Metall stets auf oder neben Farbe, um eine optimale Signalwirkung zu erzielen. Diese Farbregel betrifft alle Wappenteile, der Schild, die Helmzier und die Helmdecken. Abweichungen sind allerdings nicht zu umgehen, wenn bei kombinierten Teilungen der Schild in drei oder mehrere Plätze aufgeteilt, ein geteilter Schild zusätzlich mit einer Heroldsfigur oder einer gemeinen Figur belegt ist, oder in einem mehrfach geteilten Schild eine weitere Figur oder eine mehrfach geteilte Figur in einem einfarbigen Schild erscheinen.





Die Bedeutung der Farben:

Gold (Gelb)
steht für Herrlichkeit, Ansehen, Hoheit, Würde, Reichtum
  Silber (Weiß)
steht für Reinheit, Keuschheit, Unschuld, Weisheit, Freude
  Grün
steht für Freiheit, Fröhlichkeit, Hoffnung, Lieblichkeit, Gesundheit
  Rot
steht für Recht, Stärke, Tapferkeit, Würde, Liebe
  Blau
steht für Ruhm, Ehre, Aufrichtigkeit, Treue, Beständigkeit
  Schwarz
steht für Standhaftigkeit, Demut, Frieden, Tod, Untergang, Trauer



Bei Wappendarstellungen, die schwarzweiß wiedergegeben werden, sind die Farben des Schildes, der Helmzier und der Helmdecken einschließlich Helmwulst, nicht aber die des Helms, durch bestimmte und unterschiedliche Schraffierungen gekennzeichnet. Die einfache, aber wenig künstlerische Methode haben Kupferstecher zu Beginn des 17.Jahrunderts entwickelt und ausgebildet.

(wesentliche Teile des obigen Textes und der Darstellungen stammen aus dem Buch „Das große Buch der Wappenkunst“ von Walter Leonard, erschienen im Verlag Georg D.W. Callwey; für weitergehende Studien sehr zu empfehlen)