Das Dorf Rimbeck

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Blick auf den Ort Rimbeck, 1992, im Diemeltal gelegen, unmittelbar an der Bundesstr. 7. Rimbeck kann auf eine über 1100-jährige Geschichte zurückblicken. Ortsmittelpunkt bildet die St.-Elisabeth-Kirche, sowie die Overgaer-Hauptschule mit dem Einzugsbereich Scherfede, Bonenburg, Ossendorf, und Nörde. Neben kleinen handwerklichen Betrieben ist hier ein Milchwerk von überregionaler Bedeutung angesiedelt.  

Rimbeck – allgemeiner Überblick
Rimbeck, im Diemeltal am Südrand des Eggegebirges gelegen, acht Kilometer nordwestlich von der Stadt Warburg entfernt, nur knapp zwei Kilometer von Scherfede – praktisch gehen die beiden Orte ineinander über – feierte 1983 sein 1100-jähriges Bestehen. Die Ortschaft, die heute (1994) etwa 1500 Einwohner zählt, wurde schon im 9. Jahrhundert in den alten Corveyer Güterregistern erwähnt. Rimbechi, Rymbeke, Rimbeke waren alte Bezeichnungen und bedeuten „Rinnender Bach“, denn alte Urkunden zeugen von zwei kleinen Wasserläufen, die früher offen durch das Dorf flossen und gemeinsam in die Diemel mündeten.

Als im Jahre 1140 das Zisterzienserkloster Hardehausen gegründet wurde, erwarben die Mönche auch in Rimbeck größeren Grundbesitz. 1438 wurde ein Klosterdorf in Rimbeck gebaut. Nach und nach kam der gesamte Grundbesitz in Rimbeck zum Kloster Hardehausen, das die Ortschaft mit Gräben, Hecken und Zäunen befestigte und um 1450 eine Dorfordnung für Rimbeck aufstellte. Dieses „Dorfrecht von Rimbeck“, das nach Professor Hallermann, Münster, einmalig in Westfalen war, legte in 29 Paragraphen die Rechte und Pflichten der Einwohner fest; sie wurden von einem Bürgermeister und Gemeinderat überwacht; zu dieser Zeit eine vorbildliche Regelung der Selbstverwaltung. Im allgemeinen sind alte Dorfordnungen aus dem westfälischen Gebiet nicht bekannt. Es wird wohl so sein, dass in den mittelalterlichen Dörfern das Recht auf altem Herkommen, früheren Gerichtsurteilen und Beschlüssen der Gemeinderäte beruhte; auch wird es in den folgenden Zeiten wohl Vereinbarungen zwischen den Grundherren und den Dorfbewohnern gegeben haben oder die Grundherren und die Klöster gaben einseitige Rechtssetzungen heraus.

Das Dorfrecht von Rimbeck aus dem Jahre 1501 – die erste Fassung von 1450 ist verlorengegangen – mit seinen 29 Paragraphen stellte schon eine Besonderheit dar. Es war auch eine einseitige Satzung, die das Kloster in Hardehausen dem Dorf Rimbeck gab. Von den Klosterdörfern Scherfede, Bonenburg, Nörde und Rimbeck hatte nur Rimbeck eine Dorfordnung. Es ist nicht bekannt, ob diese Dorfordnung sinngemäß auch für die anderen Klosterdörfer galt. Wohl hatten diese Orte einen Rat – möglicherweise aber erst später – wie ihn Rimbeck nach Ziffer 7 der Dorfordnung hatte. Es ist auch denkbar, dass die Vereinigung Warburgs aus der Altstadt und Neustadt in dem sogenannten „Großen Brief“ des Jahres 1436 ein Beispiel dafür war, auch in Rimbeck eine Rechtsgrundlage in dem Dorfrecht zu schaffen. Scherfede war überwiegend 1436 zerstört, während Rimbeck offenbar von den Unruhen seiner Zeit verschont worden war. Die Ziffer 7 legte fest, dass neben dem hier Bürgermeister genannten Gemeindevorsteher auch drei Ratsherren standen, die mit dem Bürgermeister jedes Jahr neu gewählt wurden (siehe auch Abschnitt Warburg „Funktionen und Bedeutung des Rates“).

In dem Dorfrecht sind die Aufgaben und Pflichten der Einwohner ebenso geregelt wie die Rechte des Richters und des Bürgermeisters. Auch Einzelheiten unterlagen einer Regelung, wie z. B. Einhaltung der Bewirtschaftungsgrenzen beim Ackerland, Verkauf des Hauses oder auch Säuberung der Wasserabzugsgräben an bestimmten Tagen. Geregelt sind natürlich auch die Abgabe von Gebühren und die Festlegung von Strafen bei Fehlverhalten des jeweiligen Einwohners. Hier folgt der Wortlaut einer kurzen Ziffer im damaligen Schriftdeutsch:
„Item we dar wont, schall redeliken leven und neimant schall den andern schedigen mit worden edder werken, noch gewalt an enne stellen bi bescreven rechten.“

St.-Elisabeth-Pfarrkirche in Rimbeck  

Eine alte Kapelle in Rimbeck, die der heiligen Elisabeth geweiht war, wurde 1904 abgebrochen. Wann sie gebaut worden war, konnte bisher nicht festgestellt werden; urkundlich belegt ist jedoch, dass sie 1613 unter dem Hardehauser Abt Jacobus renoviert wurde. Die Kapelle war ein massives Gebäude mit Satteldach und einem Dachreiter und hatte zweijochige Kreuzgewölbe sowie an der Nord- und Südseite hohe rundbogige Fenster. Sie stand auf dem Platz in der Dorfmitte, wo heute die Pfarrkirche St. Elisabeth steht, an der Elisabeth-Straße, Ecke Wilhelm-Poth-Straße. In der alten Kapelle befand sich ein wertvoller Barockaltar, der heute in der 1907 fertiggestellten doppeltürmigen, im neuromanischen Stil erbauten St. Elisabeth-Pfarrkirche im rechten Seitenschiff steht.

Der aus Marmor und Alabaster gefertigte Dreifaltigkeitsaltar aus dem Jahre 1694 stammt von dem Giershagener Barockkünstler Heinrich Pape und zeigt über dem Mittelbild das Wappen des bedeutenden Abtes von Kloster Hardehausen Stephan Overgar (1675 bis 1713).

In der Pfarrkirche sind außerdem sehenswert ein Alabasterrelief mit Joachim und Anna, ein Relief mit der Gottesmutter und Hl. Bernhard sowie ein Beichtstuhl aus dem Jahre 1772. Diese Kunstwerke sowie mehrere Säulen und Bildstöcke stammen aus der früheren nach der Säkularisation abgebrochenen Klosterkirche in Hardehausen.

 
Im rechten Seitenschiff der Rimbecker Kirche:
Eindrucksvoller, aus Mamor und Alabaster gefertigter Dreifaltigkeitsaltar aus der Werkstatt des bekannten Giershagener Barockkünstlers Heinrich Pape - war früher Hauptaltar der alten Rimbecker Kapelle - über dem Mittelbild das Wappen des bedeutenden Abtes Stephan Overgar (1675 - 1713) in Hardehausen.
 

Rimbeck gehörte von altersher zur Pfarrei Scherfede. Die Äbte von Hardehausen hatten das Recht, einen Pfarrer für Scherfede zu bestimmen. Dafür wurden in der Regel Priestermönche ausgewählt, die dann in Scherfede wohnten und Rimbeck und Bonenburg mit zu versorgen hatten.

Zum Ende des 17. Jahrhunderts kam es nach den schrecklichen Ereignissen und der Beseitigung der Trümmer des 30-jährigen Krieges wieder zu normalen Verhältnissen in Rimbeck und in Hardehausen, ja, zu einer gewissen neuen Blütezeit, vor allem des Klosters Hardehausen, von der auch das Klosterdorf Rimbeck profitierte. Diese Verbesserung zum Guten ist sicherlich ein Verdienst des tüchtigen Abtes Stephan Overgar (1675 bis 1713), der die innere Klosterordnung wiederherstellte und durch kluge Wirtschaftsführung finanzielle Mittel für umfangreiche Renovierungen und Neubauten in Hardehausen und in den Klosterdörfern beschaffte. Er ließ 1694 die bekannte Zehntscheune in Scherfede errichten und die Rimbecker Kapelle renovieren. In seinem Auftrag wurde 1694 von dem Barockbildhauer Heinrich Pape aus Giershagen der Dreifaltigkeitsaltar aus Alabaster und geflammten Adorfer Marmor gefertigt, der heute noch eine große Zierde der St. Elisabeth-Kirche in Rimbeck darstellt.

Rimbecks Bemühungen, die Loslösung von der Kirchenverwaltung in Scherfede zu erreichen und eine selbständige Pfarre zu bilden, bekamen neuen Auftrieb, als die Stelle an der Kapelle in Rimbeck 1898 dem Vikar Wilhelm Poth übertragen wurde, der – so die Pfarrchronik – nach Rimbeck geschickt wurde, um „mitzusorgen, daß der Kirchenbau bald in Angriff genommen würde“. Das Ziel konnte erreicht werden, weil fast die gesamte Gemeinde hinter dem Projekt stand und bereit war, eine ungewöhnliche Eigenleistung an Spenden und Hand- und Spanndiensten zu erbringen. Den größten Beitrag, so die Chronik, leistete Fräulein Maria Laudage, genannt Wilms; sie schenkte ihr gesamtes Vermögen mit mehr als 100 Morgen Land (1 Morgen = 0,25 ha) für die Errichtung einer eigenen Pfarrstelle. Die Kirche wurde 1907 fertiggestellt und eingeweiht.